„Inklusion kann man nicht mit sich allein ausmachen“

Die EUTB Vogelsberg hat zum Jahresende 2019 den „Fachbeirat Teilhabeberatung im Vogelsbergkreis“ zur Unterstützung ihrer Tätigkeiten gegründet

Seit März 2018 gibt es die Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) im Vogelsberg als Anlaufstelle für Menschen mit Fragen zur Teilhabe, beispielsweise zu Assistenz und Hilfsmitteln, zu Arbeits- und Wohnmöglichkeiten und vielen anderen Themen. Über die beiden  Beratungsstellen in Alsfeld und Lauterbach werden zehn Gemeinden im Altkreis Alsfeld und neun Kommunen im Altkreis Lauterbach versorgt. Darüber hinaus ist die EUTB für angrenzende Kommunen außerhalb des Voglesbergkreises zuständig: Ottrau, Schrecksbach und Neukirchen im Schwalm-Eder-Kreis sowie Großenlüder, Hosenfeld und Bad Salzschlirf im angrenzenden Kreis Fulda. Die Bildung von flächendeckenden Beratungsstellen der EUTB geht auf die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes zurück. Sie sollen sicherstellen, dass Menschen mit Unterstützungsbedarf ihren Teilhabeanspruch realisieren können. Dazu kooperiert die EUTB mit allen betroffenen Kommunen, bietet regelmäßige Sprechstunden sowie in Ausnahmefällen auch aufsuchende Beratung an und sucht den Schulterschluss mit Selbsthilfegruppen, die ihrerseits in die Beratungstätigkeit der EUTB einsteigen können. Seit Ende letzten Jahres unterstützt nun auch ein Fachbeirat die Aktivitäten der EUTB. Besetzt wurde der „Fachbeirat Teilhabeberatung im Vogelsbergkreis“ mit Menschen aus der Region, die meist im familiären Umfeld mit Menschen mit Unterstützungsbedarf zu tun haben, selbst unter einer Behinderung oder chronischen und einschränkenden Erkrankung leiden oder beruflich mit Menschen aus dem Klientenfeld der EUTB arbeiten. Die Mitglieder des Fachbeirats verfügen allesamt über Erfahrungen in den Bereichen Inklusion, Rehabilitation und Teilhabe.

Der Fachbeirat konstituierte sich im Dezember 2019. Eingeladen zu der konstituierenden Sitzung hatten Andrea Schmidt und Berthold Sommer, Teilhabeberaterin und -berater der EUTB. Für sie ist die Begleitung durch einen Fachbeirat konzeptionell von großer Bedeutung und essenzieller Bestandteil zur Weiterentwicklung der Beratung und Begleitung von Ratsuchenden. Nachdem Berthold Sommer die Entwicklung der EUTB kurz vorgestellt hatte – mit mehr als 200 Beratungen im Gesamtgebiet zeigt sich uneingeschränkt die Notwendigkeit dieser Einrichtung – berieten die Mitglieder des einberufenen Beirats über die Satzung ihres Gremiums. Hierin festgeschrieben ist neben der fachlichen und inhaltlichen Begleitung der EUTB auch die Begleitung und Beratung der Peerberaterinnen und -berater. Darüber hinaus soll der Fachbeirat zur weiteren Vernetzung in der Region beitragen und unterstützend beim Aufbau von Selbsthilfestrukturen tätig sein. Er ist Bindeglied zwischen haupt- und ehrenamtlich in der Beratung Tätigen und seine Mitglieder können zu Informations- und Fachveranstaltungen eingeladen werden.

Als Mitglieder im Fachbeirat wurden ernannt: Matthias Gold vom Beratungszentrum Vogelsberg, Manfred Desch vom Landesverband der Angehörigen psychisch Kranker, Doris Ratz vom Blinden- und Sehbehindertenbund, Beate Faulstich-Reichhardt von autismus mittelhessen und Mutter eines Sohnes im Autismusspektrum, Gerlinde Grebe vom Verein „Barrierefreie Stadt Alsfeld“, Uwe Thöt von der MS-Selbsthilfegruppe „Albatros“ und Traudi Schlitt als Mutter zweier Söhne mit geistiger Behinderung. Das Gremium nutzte das erste Treffen nicht nur für Formalia: Die Mitglieder berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen und bemängelten, dass es im Vogelsbergkreis keinen klar erkennbaren Behindertenbeauftragten und keinen Beirat gibt, der sich um die Belange von Menschen mit Behinderungen in der Region kümmert. Inklusion als die selbstverständliche Teilhabe von Menschen mit Einschränkungen und Behinderung im alltäglichen Leben stecke noch in den Kinderschuhen, war man sich trotz vieler Fortschritte einig: „Inklusion können die betroffenen Menschen ja nicht mit sich alleine ausmachen.“ Als eine Anregung gab der Fachbeirat der EUTB mit auf den Weg, eine öffentliche Diskussion über die Bedeutung des Wortes „Teilhabe“ anzustoßen und ihr Tun auch dort vorzustellen, wo Menschen mit besonderem Beratungsbedarf sind: an Schule mit Förderschwerpunkt geistiger Entwicklung beispielsweise, in Werkstätten oder Wohnheimen.

Mehr Infos unter www.eutb-vb.de und info@eutb-vb.de

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